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Ins Netz gegangen: www.mediaculture-online.de

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht: Hier wird nicht die Homepage des Bundespräsidialamts besprochen. Diesen staatsmännischen Anblick bietet aus gegebenem Anlass im Juni 2004 vielmehr die Startseite des Portals mediaculture-online - „Das Portal für Medienpädagogik und Medienkultur”.

Der sehr seriöse Eyecatcher innerhalb des optisch gediegenen Portals vermag allerdings Aufmerksamkeit zu erregen und spielerisch Neugierde zu wecken -vielleicht nicht unbedingt bei den jüngeren Internetsurfern, aber diese sind auch nur ein Teil der angestrebten Zielgruppe. Der andere Teil sind etwa Pädagogen, Eltern und Studierende, die Informationen suchen und wohl gegen eine Portion Infotainment nichts einzuwenden haben.

Aufbau und Gliederung von mediaculture-online sind erfrischend unkompliziert, die sich unter den Menüpunkten verbergenden Inhalte sehr reichhaltig.

 

Man darf sich also nicht abschrecken lassen, wenn man bei den einzelnen Bereichen in die Tiefe geht und mit einer Fülle von Unterrubriken konfrontiert wird. Im Gegenteil: Unter „Know-how”, „Specials” oder „Medienprojekte” bietet sich die Chance, themenorientiert zu recherchieren und sich zu ganz unterschiedlichen Schwerpunkten wie „Filmkanon”, „Politik im Internet”, „Text/Zeitung/Literatur” oder Medien - z. B. Film/Video, Fernsehen, Foto, Radio/ Musik, Printmedien, Computer/Internet - Informationen und Anregungen einzuholen: Kein Medium wird ausgelassen, jedes entsprechend theoretisch und praxisgerecht aufbereitet.

 

Die Redaktion sorgt für eine gezielte Auswahl der Inhalte. Wenn auch nicht alle Beiträge Perlen der jeweiligen Diskussion sind, so wird doch in der Regel durch die Vielzahl der Texte und Links dafür gesorgt, dass man sich kompetent informiert fühlt. Sehr schön deutlich wird dies etwa, wenn man sich unter dem Bereich „Specials” mit dem Thema „Filmkanon” befasst. Zur Frage über Sinn und Unsinn eines solchen Kanons wird man nicht mit weiteren Expertenmeinungen gelangweilt, sondern kann über einen Link die Diskussionsforen der Bundeszentrale für politische Bildung zu dieser Thematik besuchen. Zurück auf der Seite von mediaculture-online kann man sich in Informationen über jeden einzelnen Film vertiefen. Am rechten Rand werden der Zugriff auf weiterführende Literatur zum Thema Film und vorgefertigte Handouts im pdf-Format zur Filmanalyse angeboten. Da man nach Möglichkeit sogar einen Hinweis auf Ausleihmöglichkeiten für den Einsatz der Filme etwa in der Schule oder in einer Arbeitsgruppe bekommt, steht der praktischen Auseinandersetzung mit den Filmen nichts mehr im Wege.

 

Wer die Stichwort- oder Autorenrecherche bevorzugt bzw. gezielt nach einem Text sucht, kann dies in jenem Bereich tun, der vielleicht als das Herzstück von mediaculture-online zu bezeichnen ist und ein wenig an die vom Netz gegangene Internetseite Kreidestriche erinnert: die „Bibliothek”. Sie wird permanent erweitert und stellt schon jetzt ca. 400 Texte im pdf-, rtf- und html-Format bereit. Systematische Nachforschung oder Stöbern im Autorenpool - selbst wer eigentlich nichts Bestimmtes sucht, wird etwas finden. Natürlich kann nicht jedes Spezialgebiet bis in die Tiefe abgedeckt werden. So mag es nicht verwundern, dass es in der „Bibliothek” zwar eine große Rubrik „Gewalt”, aber nur eine kleine, unter „Medienethik” versteckte Unterrubrik „Jugendschutz” gibt, in der zudem noch einiger Nachholbedarf an der Bezugnahme zu aktuellen Entwicklungen zu erkennen ist. Aber wie schon erwähnt: Die Bibliothek wird permanent erweitert, und zudem ist es wahrscheinlich, dass in Zukunft bei speziellen Themen mehr Links zu anderen Onlineangeboten im Internet gesetzt werden, also z. B. bei Jugendschutz bzw. Jugendmedienschutz zur Literaturdatenbank der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) www.fsf.de.

 

Zu erwähnen ist noch der Bereich „Aktuell”. Er liefert (tages) aktuelle Meldungen aus dem allgemeinen Medienkontext und ist, um einen schnellen Zugriff zu Neuigkeiten für den User zu garantieren, als Menü auf jeder einzelnen Seite des Portals präsent.

 

Über die strukturelle Einordnung von mediaculture-online erfährt man etwas, wenn man auf der Startseite dem Link zur „Medienoffensive Schule II” folgt. Diese Medienoffensive ist eine Initiative des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg. Unter seiner Obhut wurde das umfassende, in drei Bereiche unterteilte Projekt Medi@Culture gestartet, das sich der Medienbildung und -erziehung von Kindern und Jugendlichen verschrieben hat: „Aus Medienerfahrungen soll sich Medienkompetenz entwickeln. Mediennutzung soll die Entwicklung der Persönlichkeit unterstützen, statt sie zu behindern”. Neben dem Bereich Medi@Culture-Praxis, der „die bewusste, kritisch-reflexive Mediennutzung durch das kreative Gestalten eigener Medienproduktionen im schulischen und außerschulischen Bereich” unterstützt, und Medi@Culture-Netzwerk, das „schulische und außerschulische Aktivitäten” verknüpft, ist Medi@Culture-Online das Internetportal, das die Ergebnisse aller Bereiche in einer „lnformations-, Interaktions- und Arbeitsplattform zu medienkulturellen und medienpädagogischen Themen” zusammenführt. Dies bedeutet u. a., dass mediaculture-online direkt gespeist wird von Projekten aus der Medi@Culture-Praxis und damit nicht in Gefahr gerät, weltfremde Theorien anzuhäufen.

 

Interessant ist auch die Angliederung an das internationale, von der Europäischen Kommission geförderte Projekt „European Medi@Culture-online” (EM@C-online, www.european-mediaculture.de), womit der Tatsache der real existierenden, länderübergreifenden Vernetzung auch strukturell in der Medienkompetenzvermittlung Rechnung getragen wird. Damit wird deutlich, dass es sich bei mediaculture-online nicht um ein weiteres, für sich allein stehendes und in der Vielzahl der Angebote um Aufmerksamkeit kämpfendes Portal handelt, dessen Beiträge dazu verurteilt sind, mehr oder weniger unbeachtet im Internet vor sich hin zu dümpeln. Vielmehr wird hier mit dem Netzwerkgedanken eine möglichst optimale Verbreitung des versammelten Wissens gerade auch durch die Verknüpfung von Medientheorie und -praxis angestrebt.

Um dies fortzuführen, müssten für das Portal, das schon jetzt mehr als 25.000 User pro Monat vorweisen kann, die Fördermittel über das Jahr 2005 hinaus weiter fließen. Die Zukunft aber ist ungewiss. Projektleiter Dr. Christian Hörburger wünscht sich in einem Telefongespräch zwar, dass mediaculture-online „als ein nachhaltiges Projekt weitergeführt werden kann, was nicht zuletzt eine bildungspolitische Entscheidung wäre”.

Ob jedoch das Engagement der Redaktion mit einer festen Verankerung der benötigten finanziellen Mittel im Haushalt etwa des Kultusministeriums oder des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg belohnt wird oder ob es mit dem Auslaufen der Projektunterstützung - trotz aller Sonntagsreden zur vermeintlichen Förderung von Medienpädagogik -zu einer beträchtlichen Ressourcenverschwendung kommt, bleibt abzuwarten.

 

Autor: Olaf Selg.

Quelle: tv diskurs 3/2004, 7. Jg, S. 98-99.